Die Illusion von gut und schlecht und die Freiheit von Schmerz

Unser Denken – unser Blick auf die Welt – ist bestimmt von einer Illusion, und zwar die, dass wir Erlebnisse, Erfahrungen, Dinge, Menschen, alles … in die Kategorien »gut« und »schlecht« unterteilen müssen. Wir tun das nicht bewusst, aber wir tun es unaufhörlich, permanent.

In uns sitzt eine Art mentaler Türsteher, der einen neuen Eindruck oder ein neues Erlebnis (z.B. etwas, das wir sehen, lesen, oder Aussagen eines Gesprächs, dem wir folgen) fortwährend in diese zwei Schachteln einsortiert. Die »guten« Eindrücke lassen wir durch, wir nehmen sie an, wir akzeptieren sie, wir lernen durch sie, wir wachsen an ihnen. »Gute« Eindrücke sind verknüpft mit »guten« Gefühlsregungen: Freude, Spaß, Zufriedenheit, Genuß.

Die »schlechten« oder »bösen« Eindrücke dagegen werden ausgesondert. Sie kommen in eine Art geistiges Verlies, in das wir am liebsten keinen Blick wagen. Diese Eindrücke erzeugen in uns »schlechte« Gefühlsregungen wie Angst, Wut, Scham, Schuld, Trauer. Wir wollen diese Eindrücke nicht. Wir wehren uns gegen sie. Wir bekämpfen sie. »Böse« Eindrücke erzeugen in uns Schmerz. Wir wünschen uns, dass es sie gar nicht gäbe, denn dann hätten wir diesen Schmerz nicht. Der Wunsch bleibt jedoch unerfüllt, und wir sind überzeugt, dass ein Leben ohne diesen Schmerz nicht möglich ist.

Ich habe eine gute Nachricht. Ein Leben ohne diesen Schmerz ist möglich, denn die Unterteilung von Eindrücken in gut und schlecht ist ein Fehler in unserer mentalen Software. Die Kategorien »gut« und »schlecht« existieren nämlich überhaupt nicht. Sie sind eine Illusion, eine mentale Konstruktion. Die Dinge sind nicht von sich aus »gut« oder »schlecht«. Dies sind Attribute, die wir ihnen zusprechen, ihnen aufstülpen – weil wir sie so bewerten.

Die Dinge – alles, was passiert; das Leben, das Universum, und der ganze Rest – sind nicht »gut« oder »schlecht«. Sie sind einfach. Sie existieren.

Die Bewertung »gut«/»schlecht« entstammt unserem eigenen Bild von der Welt, und dieses Bild ist ein Konstrukt. Es ist unser Modell von der Welt, das wir uns über die Jahre zurechtgelegt haben, um uns in ihr orientieren zu können. Es ist eine Konstruktion, die uns immer mal wieder geholfen hat, bestimmte Situationen zu bewältigen oder einschätzen zu können. So weit ist unser Weltmodell auch hilfreich, nützlich und gesund.

Die Probleme – und damit die Schmerzen – entstehen, wenn wir vergessen, dass unser Weltmodell eben nur ein Modell (ein Konstrukt aus Überzeugungen und Glaubenssätzen) ist und nicht die Realität. Anstatt die Realität so zu sehen, wie sie ist, sehen wir sie durch die Filter unseres Modells.

Das ist an sich gar nicht problematisch – wir können gar nicht anders; so sind wir als Menschen mit unseren überragenden kognitiven Fähigkeiten nun einmal gestrickt. Das Problem ist, dass es uns an irgendeinem Punkt nicht mehr bewusst ist. Dieser Punkt liegt bei den meisten von uns schon recht früh in der Kindheit.

Unbewusst gleichen wir also laufend unsere Sinneseindrücke ab mit dem Bild, das wir von der Realität haben. Eindrücke, die mit unserem Modell übereinstimmen, werden als »wahr/gut« aufgenommen, während die, die ihm widersprechen, als »falsch/schlecht« ausgesondert werden. Unser mentales Weltmodell formt unsere Erwartungen. Es verschleiert unseren Blick und verhindert, dass wir der uns umgebenden Realität gegenüber tatsächlich frei sind und sie so willkommen heißen, wie sie ist. Denn die Realität ist. Sie ist nicht x oder y. Sie ist.

Alle Wertungen, die wir in uns tragen, sind nicht Eigenschaften dieser Realität. Es sind Attribute, die wir ihr selbst irgendwann zugewiesen haben und an denen wir seitdem festhalten.

Wenn wir das verstehen, wird uns klar, dass wir nicht gezwungen sind, diese Wertungen aufrecht zu erhalten. Wir können uns von ihnen lösen – sie loslassen. Wir müssen die Dinge nicht mehr in »gut« und »schlecht« oder überhaupt irgendwie bewerten. Wir können sie einfach sein lassen und akzeptieren, dass sie so sind, wie sie sind.

Das heisst nicht, dass wir resignieren müssen – dass alles so bleiben muss, wie es ist. Wir sind und bleiben intelligente, schöpferische Wesen, die die Fähigkeit und Macht haben, unsere Umwelt zu verändern.

Aber es ist uns jetzt möglich, ohne den Schmerz zu leben, der entsteht, wenn wir uns einer zwiegespaltenen Realität aus »gut« und »schlecht« bewegen. Wir werden offener, freier. Unser Bewusstsein kann sich erweitern. Wir können uns wieder erlauben, mit unseren Gedanken Regionen zu erkunden, die wir uns verboten hatten, da sie in unserem mentalen Modell das Etikett »schlecht« trugen. Wir werden ruhiger, ausgeglichener.

Uns kann weniger erschüttern, denn erschüttert zu werden, impliziert, dass wir etwas erleben, das unser Weltmodell nicht zulässt oder nicht vorgesehen hat.

Stattdessen betrachten wir die Welt wieder wie das kleine Kind, das wir früher einmal waren – das mit großen Augen all das aufgesogen hat, was »da draußen« so passiert. Wir müssen nicht mehr bewerten. Wir können uns freuen, dass wir hier sind, und dass wir das alles erleben dürfen.

 

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Author: schoschie

I like to see the wiring under the board™

4 thoughts on “Die Illusion von gut und schlecht und die Freiheit von Schmerz”

  1. Gut und Schlecht ist keine Illusion – es existiert!!

    Dir geht es “zu gut” um solch einen hanebüchenen Quatsch zu schreiben, der übrigens schon zig male getextet und verkündet wurde – das ist langweiliger Quatsch!

    Frag mal arme Kinder oder Kinder in Kriegsgebieten, was sie von deiner tollen Welt halten. Dir ging es anscheinend auch als Kind nicht gerade schlecht um sich diesen Zustand als Ideal einzureden.

    Und jetzt lösche diesen Kommentar – wie Du es üblich tust, mit dem was Dir nicht gefällt, Du also sehr wohl (zumindest bisher) in gut und schlecht einteilst.

    Für alle anderen. Vorsicht bei Leuten die anderen einreden wollen, dass es kein gut und kein schlecht, kein gut und kein böse gäbe! m(

    1. Ich glaube nicht, dass wir uns kennen. Jedenfalls weiss ich nicht, wie Sie darauf kommen, ich würde mir unpassende Kommentare üblicherweise löschen. Ich lösche Kommentare nur, wenn sie Spam sind oder ausdrücklich beleidigend.

      Abgesehen davon: vielen Dank für den konstruktiven Beitrag! Ihre beeindruckende Argumentation hat mich überzeugt. Ich überlege jetzt, ob ich vielleicht den ganzen Artikel einfach löschen sollte.

      1. Ja lösch’ ihn doch, wenn Du nun wirklich so empfindest, oder schreib ne Gegendarstellung, nen Edit oder was auch immer.
        Widerlegt hast Du deine These ja schon selbst – Spam oder gar Beleidigungen sind demnach böse…..

        Ups.

        Verzeihen Sie dass ich gerade in das “Du” verfallen bin… Macht der Gewohnheit…. Ich lass es jetzt so stehen.

      2. Achso eins noch zu den Schmerzen.

        […]Wie glücklich, der der einen Schmerz hat, wenn ihm etwas fehlt[…]
        — Erich Fromm

        Ich würde in dem Zusammenhang nicht von “Krankheit” sprechen, aber da Sie ja selbst z.B. einmal von “nützlich und gesund” und ein anderes mal von “Fehler der mentalen Software” sprechen, so denke ich, ist diese Sichtweise mit Ihrer weitgehend kompatibel.

        Und jetzt noch viel Spaß mit der gespielten (wie ein Kind) Gleich-Gültig-Keit. Auf Ihr “wir”, “uns”, “unsere” usw. will ich gar nicht mehr eingehen. Das ist Kindergarten Geplapper und Oberlehrer Gehabe.

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