International Bahnfahren mit der Österreichischen Bahn: Vorsicht beim Ticketkauf!

Ich hatte gerade schon wieder eine irritierende Erfahrung mit dem Kauf internationaler Fahrkarten bei der ÖBB; vielleicht liest dies ja jemand, der sich dann besser vorbereiten kann als ich.

TLDR/Zusammenfassung: ÖBB-Fahrkartenautomaten verkaufen nur nationale Tickets. ÖBB-Fahrkartenschalter schließen zu Uhrzeiten, wo m.E. noch recht viele Leute Tickets kaufen wollen. Internationale ÖBB-Online-Tickets (zumindest solche nach Bratislava) werden nicht online versandt (etwa per E-Mail oder Download), sondern können nur an österreichischen Bahnhöfen abgeholt (!) werden. Komfort ist etwas anderes. Eine Warnung an alle international über Österreich mit dem Zug Reisenden.

Letztes Jahr sollte es von Wien aus nach Budapest gehen. Naiv wie ich war, dachte ich, ich könnte das Zugticket einfach irgendwo in Wien am Schalter oder Automaten kaufen. Am Flughafen in Wien (an dem ich kurz zuvor gelandet war) standen einige Ticketautomaten der ÖBB. Nach einiger Zeit des Herumklickens in der Oberfläche wurde mir klar, dass der Automat mir keine internationalen Tickets verkaufen würde. Also besorgte ich mir zunächst ein Ticket für das CAT-Shuttle in die Stadt. Ich hatte für den Umstieg zum Anschlusszug nach Budapest nicht allzu viel Zeit eingeplant, daher wurde ich schon jetzt reichlich nervös.

Im Shuttle sitzend lud ich mir über die fragile Mobildatenverbindung die ÖBB-App herunter, in der Hoffnung, ich könne darüber noch bequem ein Ticket erwerben. Aber nicht nur kam ich mit dem User Interface dieser Anwendung erst nach viel verwirrten Herumgetappe zurecht, ich musste auch dort wieder lernen, dass die App erst gar keine Möglichkeit bot, internationale Tickets zu ordern.

In Wien angekommen, war ich mir sicher, dass der nächstbeste Ticketautomat mir ein Ticket nach Budapest geben würde. Aber auch hier: Fehlanzeige – nur nationale Fahrkarten. Ich suchte nach einem Schalter mit menschlichem Personal und war siegessicher. Leider wurde ich jäh enttäuscht, denn das Reisezentrum mit den Fahrkartenschaltern hatte bereits geschlossen (es war ca. 19 Uhr).

Ohne eine Möglichkeit, das Ticket an einem Automaten oder an einem »Old-School«-Schalter erwerben zu können, blieb mir offenbar nur noch die Option, es im Zug zu kaufen. Ich stieg also, inzwischen kurz vor Panik, in den Zug nach Budapest. Dort lief ich bis an das eine Ende des Zuges, wo ich auf Bahnmitarbeiter (augenscheinlich ÖBB-Personal) stieß, die ich informierte, dass ich noch kein Ticket hätte, und ob ich dieses denn im Zug kaufen könne. Ja, kein Problem, hieß es. Na gut, gerettet.

Das dachte ich jedenfalls, bis ich einen Blick in mein Portemonnaie warf, in dem sich lächerliche 13 Euro plus ein paar Cent in bar befanden. Verdammt! Wieso hatte ich nicht noch Bargeld abgehoben? Ich Idiot! Ach, aber Zahlung per EC- oder Kreditkarte wird bestimmt gehen. Das ist ja Ungarn und kein Dritte-Welt-Land. Ich versuche mich zu entspannen.

Etwas später, als es schon stockfinster war und wir uns irgendwo im ungarischen Niemandsland befanden, kam dann auch der ungarische Ticketkontrolleur. Der sprach nur bröckchenweise Deutsch und Englisch, und ich überhaupt kein Ungarisch. Ich konnte ihm verständlich machen, dass ich noch eine Karte kaufen müsse, und hielt ihm meine EC-Karte hin. Er gab mir zu verstehen, dass nur Barzahlung möglich sei. Okay, dachte ich, das wars. Der schmeisst mich beim nächsten Halt aus dem Zug, und da stehe ich dann, mitten im Nichts, in schwärzester Dunkelheit, ohne einen Funken Ungarisch, und muss zusehen, wie ich durch die Nacht komme.

Schulterzuckend sagte ich ihm, dass ich nicht genug Geld hätte. Was können wir tun, fragte ich? Er machte ein Gesicht, das »Verdammte Touristen!« auszudrücken schien, nahm das sämtliche Bargeld, das ich zusammenkratzen konnte, und verschwand, ohne mir ein Ticket zu geben.

Die restliche Fahrt war, wie man sich vorstellen kann, nicht sonderlich entspannt, zumal die Beleuchtung im Zug immer mal wieder ausfiel und ich dann in absoluter Dunkelheit saß, bzw. im schwachen Schein meines Handys. Ich versuche mich zu beruhigen, in dem ich mir sagte, dass das eben immer noch »Ostblock« war und diese Art von Abenteuer zum Reisen dazugehören. Tatsächlich wurde ich nicht weiter behelligt, die Fahrt verlief reibungslos (nunja, abgesehen vom Gewackel des Waggons), und ich stieg unversehrt und sehr erleichtert in Budapest aus.

Diese Erfahrung wollte ich mir für das nächste Mal um jeden Preis ersparen. Also kaufte ich soeben über das Online-Ticketportal der ÖBB eine Karte von Wien nach Bratislava (mein diesjähriges Ziel). Der Buchungsprozess lief schmerzfrei ab; nach erfolgter Zahlung per Kreditkarte freute ich mich darauf, mein Online-Ticket per E-Mail oder Download in Empfang nehmen zu können. Doch unter der Überschrift »Wie erhalte ich mein Ticket?« fand sich nur die Option »Abholung«. Abholung in Österreich. Wäre an sich ja gar nicht so schlimm, wenn zwischen mir und Österreich nicht etwa 1000 Kilometer liegen würden.

Ich suchte die Buchungswebsite einige Zeit lang ab, um sicherzugehen, dass ich nichts übersehen hatte. Nein, tatsächlich gab es für mein online (!) gekauftes Ticket nur die Option der Abholung in Österreich. Ich konnte es alternativ nur noch stornieren; für eine Gebühr von 3 Euro. Höchst irritiert erkundigte ich mich bei meinen Followern auf Twitter (unter denen sich auch Österreicher befinden), ob dies denn richtig sein könne. Dort war man ebenso verwundert.

Ich rief also bei der Hotline der ÖBB an, um herauszufinden, wie ich denn nun an mein Ticket kommen könne. Nach dem ich drei Personen am Hörer hatte, war klar, dass alles seine Richtigkeit hatte: das Online-Ticket von Wien nach Bratislava würde nicht online zugestellt, sondern könne nur abgeholt werden. Immerhin an jedem beliebigen österreichischen Bahnhof – was mir aber nicht so viel nützt, da ich abends mit dem Zug in Wien ankommen werde und von dort aus gleich weiter will.

Geistesgegenwärtig hatte ich noch nachgefragt, wie lange der Schalter in Wien Hbf denn geöffnet haben würde: bis 22:40 Uhr. Mein Zug von Hannover kommt planmässig um 21:12 Uhr an. Sofern es keine Verspätung gibt, kann ich es also noch schaffen. Da deutsche Langstreckenzüge, insbesondere ICEs, nach meiner Erfahrung der letzten zehn Jahre aber praktisch immer massive Verspätungen auf ihrem Weg einfahren, überlege ich mir jetzt schon mal, wie ich die Nacht in Wien verbringe, um dann erst am nächsten Morgen weiter nach Bratislava zu fahren. Aber vielleicht habe ich ja auch Glück.

Ich habe bis jetzt immer gute Erfahrungen mit der österreichischen Bahn gemacht; man fährt da wirklich entspannt. Aber wer von Wien aus in Richtung östliche Nachbarländer mit dem Zug will, hat es auch im Jahr 2015 noch immer nicht besonders einfach. Das geht wirklich besser.

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Author: schoschie

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