Auf der Suche nach der richtigen Blog-Plattform

Was ist die beste Blog-Plattform?

Eine der größeren Hürden, die ich überwinden musste, um wieder mit dem Bloggen zu beginnen, war die Entscheidung für eine Blogging-Plattform – also die Software, mit der ich mein Blog betreiben will. Diese Entscheidung wollte ich nicht leichtfertig treffen, denn je mehr Inhalt man erst auf einer bestimmten Plattform produziert hat, desto schwieriger wird es, diese zu verlassen, wenn man eines Tages feststellt, dass man doch zu einer anderen Plattform möchte.

Ich gehe davon aus, dass alle verbreiteten Plattformen eine Funktion anbieten, um Inhalte zu exportieren. Falls nicht, kann man das blanke HTML oder zur Not auch nur den Textinhalt kopieren und übertragen – es gibt hier keinen echten (harten) lock-in. Aber es gibt einen soft-lock-in, denn auch mit der komfortabelsten Export- und Transfer-Funktion hat man Arbeit, und je höher der Aufwand, den man betreiben muss, um zu wechseln, desto kleiner die Wahrscheinlichkeit, dass man tatsächlich wechselt. Will man Dritt-Content wie Kommentare und alle möglichen Metadaten auch verlustfrei mit übertragen, wird es umso komplizierter.

Es gibt so viele Faktoren und Argumente, die für die eine und gegen die andere Blog-Plattform sprechen können, dass man daraus eine quasi-wissenschaftliche Arbeit machen könnte. Als pathologischer Perfektionist und Alles-immer-ganz-genau-wissen-und-machen-Müsser wäre das normalerweise der Weg, den ich gegangen wäre. Aber dann hätte ich dieses Blog nie gestartet, da ich an meinem eigenen Anspruch gescheitert wäre. Daher habe ich nach einigem Ausprobieren einfach eine Entscheidung getroffen – auch wenn ich nicht rundum zufrieden bin – aber so konnte ich wenigstens loslegen.

Letztlich kamen nur sehr wenige Kandidaten überhaupt in Frage, so dass das Prozedere gar nicht ausufern konnte. (Es ist wahrscheinlich, dass ich die eine oder andere Option übersehen habe, da ich sie schlicht nicht kannte. Falls ja, freue ich mich über Hinweise in den Kommentaren.)

 

Kandidaten.

Folgende Plattformen habe ich in Erwägung gezogen:

WordPress (bzw. als Hosted Servicewordpress.com)— kenne ich seit 2004, kurz nach der Veröffentlichung der ersten stabilen Version. 2005 hatte ich mal ein selbst gehostetes WordPress-Blog über den Zeitraum von etwa einem Jahr (nicht mehr online, aber der Datenbank-Dump existiert noch). Das lief recht gut, wobei ich damals schon fand, dass es zu viele Features hat und etwas schwerfällig ist.

In diesen neun Jahren sind etwa drölfzig Fantastilliarden neue Features dazugekommen, und es ist ein gigantisches Ökosystem entstanden mit unüberschaubar vielen Themes und Plug-Ins. An sich eine gute Sache, so viel Auswahl und so eine große Community zu haben, aber mich überfordert sowas immer, da ich den Anspruch habe, alles genau zu kennen. Das ist bei WordPress schon lange nicht mehr möglich, es sei denn, man macht es zu seiner Vollzeitbeschäftigung.

Tumblr —alle coolen Hipster mögen Tumblr! Ich bin 2007 auf den Tumblr-Zug aufgesprungen (dieses Tumblr existiert sogar noch, aber wie man sieht, ist nicht viel daraus geworden). Ich war gleich begeistert, wie einfach man damit arbeiten kann, und Tumblr hat seine Einfachheit zum Glück beibehalten. Jedoch ist Tumblr offensichtlich daraufhin optimiert, Medien-Inhalte wie Bilder und Videos zu teilen, und nicht so sehr Text, zumindest keine längeren Texte.

Ghost — dies ist eine relativ neue Plattform mit dem Anspruch, eine Art entschlacktes und technisch sauberes WordPress anzubieten. Als ich zum ersten Mal von Ghost gehört habe, war mein Gedanke: das ist meine Plattform!

Github Pages —gar keine Blogging-Plattform, sondern eine Möglichkeit, Websites zu hosten, während diese gleichzeitig reguläre Github-Projekte sind. Das ist gerade für Softwareentwickler sehr reizvoll, weshalb die meisten Websites, die auf Github Pages setzen, aus der Entwickler-Ecke kommen. Github Pages nutzt Jekyll, was ein noch überschaubar einfaches, aber doch leistungsfähiges Template-System ist, um statische Webseiten zu erzeugen – auch solche mit einer Blog-Artikelstruktur. Wer ausdrücklich via Github Pages bloggen will, guckt sich am besten gleich Octopress an.

Eigenbau – als Kontrollfreak und Perfektionist bin ich grundsätzlich unzufrieden mit existierenden Lösungen, daher habe ich einen starken Drang, meine eigene Plattform zu bauen. Ich kann dann alles selbst entscheiden und genau auf meine Bedürfnisse zuschneiden, und gleichzeitig lerne ich dabei (learning by doing ist bestes learning). Allerdings unterschätze ich auch jedes Mal den Aufwand, den ich investieren muss, und zu viele solche Unternehmungen sind nie fertig geworden. Nicht zuletzt würde ich wahrscheinlich zu viele Räder neu erfinden.

 

Faktoren.

Bequemlichkeit und Einfachheit — beinahe hätte ich Faulheit geschrieben, aber das trifft es nicht. Ich bin nicht faul. Ich bin recht bequem und träge (ja, das ist ein Unterschied). Je höher die Hürde, desto weniger wahrscheinlich, dass ich anfange. Damit fällt die Option Eigenbau unter den Tisch. Ich würde immer noch gerne eine eigene – meine – Blog-Plattform bauen, aber nicht heute und wahrscheinlich auch nicht mehr dieses Jahr. (Wie so eine Plattform in meinen Augen aussehen würde, darüber schreibe ich vielleicht mal einen Artikel [Notiz: Artikelidee].)

Damit verschwindet auch Github Pages aus der Liste der Kandidaten. Mir gefällt zwar die weitreichende Kontrolle, die man hier hat (man arbeitet quasi direkt auf dem Code), aber der Mechanismus zum Editieren und Publizieren ist mir für diese Art des Bloggens, die ich anstrebe, zu umständlich.

Wenn ich eine Artikelidee habe, muss die relativ schnell und ohne große Klimmzüge an den Start gehen können, sonst wird sie entweder nie geschrieben oder ich schiebe das Veröffentlichen auf, bis der Text inhaltlich veraltet ist. Ich will schreiben und dann einen Button anklicken, und dann soll das Geschriebene live sein. Jeder weitere Schritt ist ein Schritt zu viel.

Kommentare – ich will, dass Leser auf meinen Artikeln kommentieren können, und zwar so einfach wie möglich. Kommentare bereichern jeden Artikel; nicht selten ist die Kommentarsektion interessanter als der Artikel selbst (ignorieren wir pathologische Fälle wie das heise.de-Kommentarforum).

Ich könnte natürlich auf jede beliebige statische Seite ein Kommentar-Widget von Facebook oder Disqus einbinden, aber davon halte ich wenig, da ich außerdem auch ein Freund von Dezentralisierung bin. Ein Facebook-Kommentarwidget wäre wahrscheinlich das einfachste, da ohnehin (fast) jeder bei Facebook ist, aber ich will zu Zucks Daten-Monopol nicht noch beitragen. Dasselbe gilt für Disqus, zumal ich den Anmelde-/Identifizierungsprozess von Disqus immer noch recht hakelig finde.

Hiermit fällt Tumblr weg, da – soweit ich es erkennen kann – es in Tumblr keine direkte Möglichkeit gibt, Posts zu kommentieren. Es gibt wohl eine Funktion, »Fragen« an Post-Autoren zu schreiben, aber dazu muss der Post-Autor einem auf Tumblr folgen (?). Ich sehe auf Tumblr-Sites auch so gut wie nie Kommentare. Ich glaube, Kommentare sind einfach nicht Teil der Tumblr-Kultur; das ist eher eine Plattform zum einseitigen Senden.

Github Pages wäre auch hier rausgeflogen, da man dort ausdrücklich nur statische Seiten hosten kann. Für Kommentare hätte ich also ebenfalls auf ein externes Widget zurückgreifen oder etwas eigenes via iFrame einbinden müssen.

Design – das Blog muss meinem Designanspruch genügen, und der ist hoch. Wenn ich auch keine eigene Blog-Plattform bauen würde, dann würde ich zumindest das verwendete Template (Theme) anpassen oder ganz selbst schreiben wollen. Letzteres verkneife ich mir (siehe Bequemlichkeit), daher muss ich zumindest für den Anfang auf qualitativ hochwertige fertige Themes zurückgreifen können, bei denen man idealerweise wenigstens ein paar Stellschrauben hat (Farben usw.). Das ist ein weiteres Argument gegen Tumblr, denn die angebotenen (kostenlosen?) Themes dort haben mich nicht überzeugt. Wer nur Bilder postet, findet dort sicher etwas, aber für meine eher textlastigen Inhalte habe ich überhaupt nur ein akzeptables kostenloses Theme gefunden, und das war nicht responsive. (Heutzutage nicht responsive zu sein, ist ein No-Go!)

Zugriff auf die Daten – wenn ich schon nicht selbst hoste (weil ich den Aufwand scheue) – und damit nebenbei übrigens auch meinen eigenen Dezentralisierungs-Anspruch untergrabe – dann will ich wenigstens eine einfache Möglichkeit haben, an die Daten zu kommen, falls ich doch noch wechseln will. Und zwar alle Daten. Von WordPress weiss ich immerhin, dass es eine solche Funktion gibt.

Kosten – da ich mit dem Blog derzeit noch nicht die Absicht vertrete, irgendeine Form von Einnahmen zu generieren, soll es auch möglichst nichts kosten. Das ist der einzige Faktor, der (leider) gegen Ghost spricht, denn das gibt es zwar als Hosted Service, aber nicht kostenlos (ab 5 US-Dollar im Monat). Aktuell bin ich nicht bereit, das zu investieren, aber das könnte sich ändern. (Ghost selbst zu hosten, ist wiederum zwar per se kostenlos, aber auch nicht ganz trivial, da es auf node.js basiert, und die meisten (großen) Shared-Hosting-Anbieter immer noch keine direkte Unterstützung für Node bieten.)

 

Fazit.

Meine Entscheidung fiel – wie man sieht – auf WordPress, und zwar in der wordpress.com-Variante. Ausschlaggebend waren folgende Umstände:

  • Ich kenne WordPress am besten, ich muss mich also nicht in eine ungewohnte Umgebung einarbeiten.
  • WordPress liefert das Kommentarsystem mit. Man kann sich dazu mit Twitter, Facebook, Google+, wordpress.com authentifizieren, oder einfach Name und E-Mail-Adresse angeben. Wer kommentieren will, wird also nicht dazu gezwungen, zunächst irgendwo ein Konto anzulegen, was in meinen Augen ein sehr großer Vorteil ist.
  • Die angebotenen WordPress-Themes haben eine relativ hohe Qualität, auch die Kostenlosen. Alle, die ich getestet habe, waren auch responsive.
  • Ich muss nichts installieren und mich nicht um Updates kümmern. Mit den Einschränkungen, die wordpress.com bietet, kann ich (momentan) leben.
  • Sollte das nicht mehr der Fall sein, kann ich das komplette Blog mit vergleichsweise wenig Aufwand auf ein selbst gehostetes WordPress übertragen und habe dort dann alle Freiheiten und Möglichkeiten.

Mal sehen, wie gut ich damit fahre. Jetzt muss ich erst mal ein bisschen Inhalte produzieren.

 

Feedback.

Gibt es eine interessante Plattform, die ich ausgelassen habe? Sonstige Vorschläge? Schreibt mir in den Kommentaren. Danke!

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Author: schoschie

I like to see the wiring under the board™

6 thoughts on “Auf der Suche nach der richtigen Blog-Plattform”

  1. Deine Überlegungen kenne ich zu gut. Ich habe mit Blogger angefangen (dort existiert mein alter Blog sogar noch). Blogger war mir aber irgendwann zu verwirrend, ein Kumpel riet mir zu WordPress. Und hier blieb ich hängen. Tumblr habe ich aber auch, wobei ich diesen nur für Bilder nutze, nicht von mir aber als “Bildersammlung”. Ich finde auch, dass sich Tumblr nicht so recht eignet zum Bloggen in Textform.

    1. Hab Dir ja schon auf Twitter geantwortet, danke erstmal für den Vorschlag. Hier noch mal die längere Form:

      Medium ist schön gelöst, sowohl die Aufbereitung der Artikel als auch ein paar sehr gute Ideen wie z.B. die Möglichkeit, Textstellen direkt am Artikel zu kommentieren – das ist sehr cool! (Bei Teehan+Lax gibt es übrigens einen sehr interessanten Artikel über die Zusammenarbeit mit Medium, und wie das jetzige Design entstanden ist.)

      Ich kann es mir aber als Alternative nicht so recht vorstellen. Zum einen macht es den Eindruck, eine ziemlich geschlossene Plattform zu sein: man kriegt leicht Daten rein, aber nur schwer wieder heraus. Ich würde also die Kontrolle über meine Daten abgeben (wie bei vielen anderen Plattformen auch, aber: s.u.).

      Zum anderen ist es aufgebaut wie eine Art crowd-sourced Online-Magazin, für das alle quasi als Gastautoren schreiben. Das ist zwar für die Leser schön, aber als Autor würde ich mich fühlen, als würde ich Medium kostenlos Content liefern, um deren Plattform zu stärken. Da geht man schnell unter, und außerdem würde ich mich permanent unter Druck fühlen, den gefühlten redaktionellen Anspruch und Stil der Plattform einhalten zu müssen.

      Drittens sieht es nicht so aus, als hätte man sonderlich viel Kontrolle darüber, wie die Daten präsentiert werden, da es nur dieses eine (wenn auch sehr tolle) Template gibt und offenbar wenig bis keine Konfigurationsmöglichkeiten. Das macht vieles einfach, sowohl für Autoren als auch Leser: man muss sich eben nicht mit Theme-Auswahl herumplagen, und die Präsentation ist sehr homogen und man weiß, was einen (visuell) erwartet. Aber es nimmt mir natürlich auch sehr viel Macht.

      Bei wordpress.com gebe ich natürlich auch prinzipiell die Kontrolle über meine Daten ab, denn sie werden auf fremden Servern gelagert (und da es ein prinzipiell kostenlos angebotener Service eines Unternehmens mit Gewinnerzielungsabsicht ist, muss ich davon ausgehen, dass diese Daten nicht unangetastet bleiben). Das ist ja ein Kompromiss, den ich erst mal bewusst eingegangen bin. Allerdings habe ich bei wordpress.com jederzeit die Möglichkeit, den Content zu exportieren und auf ein selbst gehostetes WP zu übertragen oder sonstwie weiter zu nutzen, und ich kann Themes auswählen und ziemlich viele Dinge selbst bestimmen.

      Vielleicht sollte ich den Artikel ergänzen 🙂

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